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18. September 2020 | Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Vom Spätsommer in den Frühwinter?

Vom Spätsommer in den Frühwinter?

Datum 18.09.2020

Viele haben es bemerkt: Es ist deutlich kälter als noch zu Beginn der Woche. Wie kalt genau und warum eigentlich?

In den vergangenen 36 Stunden ist die Temperatur in Deutschland kräftig zurückgegangen. Am Mittwoch gab es verbreitet noch einen heißen Tag und nun örtlich eine frostige Nacht. Grund für das alles sind Hochdruckgebiete. Nun werden sich einige Fragen, wie ein Hoch einmal den Sommer und einmal den Winter bringen kann und das innerhalb von nicht mal zwei Tagen. Die Antwort darauf ist ganz einfach: Es kommt auf die richtige Lage an.

Die Luft umströmt ein Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn. Je nachdem wo sich das Hoch vom Betrachter aus befindet, kann diesen Luft aus tropischen oder polaren Regionen erreichen. In unserem Fall lag zunächst ein Hoch über Osteuropa. Die Luft strömte also aus Süden oder Südwesten zu uns und war entsprechend warm, da sie ihren Ursprung in den Subtropen hatte.

Aktuell liegt das Hoch aber über der Nordsee und Norddeutschland. Entsprechend strömt Luft aus Nordost bis Ost ein. Das Hoch holt sich die Luft aus den höheren Breiten, die durch den tiefen Sonnenstand bereits abgekühlt sind, und lenkt diese dann über Osteuropa zu uns. Die Luft hat nun ihren Ursprung also eher in den subpolaren Gebieten, kann sich auf dem langen Weg zu uns über der relativ gesehen warmen Ostsee und den noch warmen Landmassen Osteuropas aber deutlich erwärmen.

Der Temperaturrückgang in Deutschland in den vergangenen zwei Tagen war signifikant. Betrachtet man die Höchstwerte von Mittwoch und Donnerstag, so fällt einem vor allem im Nordosten und über der Mitte ein Unterschied von mehr als 10 Grad auf. In diesen Regionen wurde am Mittwoch eine Maximumtemperatur von mehr als 30 Grad gemessen. An der Wetterstation in Perl-Nennig wurde der Höchstwert des Tages mit exakt 34 Grad registriert. Am Donnerstag hingegen hat sich im Norden und über der Mitte die kühlere Luft bereits durchgesetzt und sorgte "nur" noch für Höchstwerte zwischen 19 und 21 Grad. Temperaturbegünstigt, wenn man denn ein Freund von Wärme ist, war und ist der Südwesten Deutschlands. In diesen Regionen kann sich die Luft durch Sonne und warme Erdböden deutlich erwärmen und schafft so Tag für Tag sommerliche Höchstwerte. So wurden am Donnerstag dort Höchstwerte von 26 bis 28 Grad erreicht, mit dem höchsten Wert in Rheinfelden (28,1 Grad).

Bei den Tiefstwerten ist ebenfalls ein spürbarer Temperatursturz aufgetreten. In der Nacht zum Mittwoch gab es örtlich noch Tropennächte, also Nächte mit Tiefstwerten über 20 Grad. In der Nacht zum Donnerstag sickerte bereits kühlere Luft in den Norden und die Mitte Deutschlands und so lagen die Tiefstwerte nur noch bei 15 bis 8 Grad. In der Nacht zum Freitag aber gab es einen weiteren Abfall der Temperatur bis auf Werte um 0 Grad über dem Osten und Nordosten Deutschlands. Dabei war es in Quickborn mit einem Tiefstwert von -0,3 Grad am kältesten. Im Süden hielten sich in der vergangenen Nacht Restwolken der am Donnerstag dort langsam verhungerten Kaltfront, und so war es dort mit Tiefstwerten von 12 bis 7 Grad am mildesten.

Wie geht es weiter? Der Südwesten bleibt am Wochenende temperaturtechnisch auf sommerlichem Niveau mit Höchstwerten bis zu 28 Grad. Im übrigen Bundesgebiet liegen die Maxima bei 20 bis 25 Grad. An den Küsten kann es bedingt durch die kühlere See auch Höchstwerte knapp unter 20 Grad geben. In der Nacht zum Samstag ist es in der Osthälfte Deutschlands erneut empfindlich kühl. Tiefstwerte von 5 bis 2 Grad sind dort keine Seltenheit. Gebietsweise droht Frost in Bodennähe. Nach Westen und Südwesten hin bleibt es etwas milder, vor allem, wenn sich Wolken halten oder bilden. Die folgenden Nächte sind dann auch in der Osthälfte weniger kalt. Frost wird unwahrscheinlicher, wenn auch die Minima meist unter 10 Grad liegen.



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