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29. September 2020 | Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

"Herbst kontra Spätsommer" - mit Vorteilen für den Herbst

"Herbst kontra Spätsommer" - mit Vorteilen für den Herbst

Datum 29.09.2020

Der Herbst prägt mittlerweile nicht nur die Meteorologen oder den Kalender, sondern auch das aktuelle Wettergeschehen. Über Deutschland verteilt sind zahlreiche herbstliche Phänomene zu beobachten. Sommerliches Feeling kommt nur noch regional auf.

Am 1. September hat nach meteorologischer Zeitrechnung der Herbst begonnen und letzten Dienstag, dem 22. September, folgte der Herbstanfang auch aus kalendarischer Sicht. In der Grauzone der Herbstanfangsdefinitionen pendelt das Wetter im September häufig noch zwischen Herbst und Spätsommer hin und her. So auch in diesem Jahr, als der September spätsommerliche Phasen genauso lieferte, wie herbstliche Episoden mit teils sogar winterlichem Touch in den Alpen.

In dieser Woche neigt sich nun der September dem Ende entgegen und der nach den Definitionen erste komplette Herbstmonat beginnt. Zumindest was das Wettergeschehen betrifft, schlägt das Pendel in Deutschland zunehmend auch in Richtung Herbst aus. Allenfalls der Osten und Südosten des Landes können sich zumindest bis zum Wochenende noch gegen das eher unbeständige und teils windige Herbstwetter wehren. Teils sehr milde Temperaturen zwischen 17 und 23 Grad und längere sonnige Abschnitte sorgen nochmals für sommerliches Feeling. Nachts führt der gering bewölkte oder wolkenlose Himmel jedoch zu kräftigem Auskühlen und somit bei Tiefstwerten im mittleren bis unteren einstelligen Bereich und örtlichem Nebel zu einem herbstlichen Touch.

Anders sieht es in der Westhälfte aus. Dort gewinnt zunehmend ein Tiefdruckkomplex über West- und Nordwesteuropa an Einfluss. Deutschland verbleibt zwar zunächst auf der Ostseite des Tiefdruckkomplexes, wird aber wiederholt von Tiefausläufern heimgesucht, die von den Tiefs von Südwesten und Westen her ins Land gewirbelt werden. Unter den Wolken bleiben die Nächte dann milder.

Egal ob Osten, Westen, Süden oder Norden, eines haben alle Regionen gemeinsam. Überall beginnen derzeit auch die Blätter an den Bäumen zunehmend die Farben gelb und rot anzunehmen, sofern diese aufgrund der regionalen Trockenheit im Sommer nicht schon früher das Zeitliche gesegnet haben und zu Boden fielen. Im Südwesten und an der See sowie ab Freitag auch an und in den Alpen vollendet schließlich stark böiger, exponiert auch stürmisch auffrischender Wind das herbstliche Feeling.

Ein typisches Anzeichen für den Herbst, dass in den nächsten Tagen in Deutschland unabhängig von den Regionen gut zu erkennen ist, ist der zunehmende Tagesgang der Temperaturen. Während am Tag mit Sonnenunterstützung die Höchstwerte oft noch angenehme Werte zwischen 15 und 23 Grad erreichen, sinken die Temperaturen in der Nacht verbreitet in den einstelligen Bereich. Der Grund liegt im abnehmenden Tageslicht. Zum kalendarischen Herbstanfang steht die Sonne mit etwas mehr als 12 Stunden genauso lange am Himmel wie zum Frühlingsanfang am 20. März, zum Sommeranfang am 21. Juni waren es dagegen noch knapp 16,5 Stunden. Die geringste Menge an Tageslicht erwarten wir dann zum Winteranfang am 22. Dezember.

Mit dem abnehmenden Sonnenlicht nehmen, wie oben schon angedeutet, auch die herbstlichen Wetter- und Umwelteigenschaften und somit auch Gefahren zu. So kann fallendes Laub insbesondere bei feuchten oder nassen Wetterbedingungen auf den Straßen für eine gefährliche Rutschbahn sorgen.

Anders sieht es mit dem Nebel aus. Besonders der sogenannte Strahlungsnebel hüllt die Landschaften in bodennahen Schichten zunehmend in einen weiß-grauen Schleier. Der Strahlungsnebel beruht dabei im Wesentlichen auf bodennahes Auskühlen. Bei klarem Himmel gibt der Boden viel Wärme an die Luft ab und kühlt somit stark aus. Umso länger die Nacht dauert, desto stärker kann der Boden bei wolkenlosen Verhältnissen auskühlen. Zeitlich verzögert kühlt der Boden schließlich auch die unteren Luftschichten ab. Verfügt die Luftschicht über eine ausreichende Menge an Feuchte, kann diese ab einer bestimmten Temperatur (Sättigung der Luft mit Wasserdampf) zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Nachfolgend bilden sich bodennahe Wolken, die wir als Nebel wahrnehmen. Für Autofahrer können diese Nebelfelder aufgrund einer raschen Verschlechterung der Sichtverhältnisse sehr tückisch sein. Oftmals können die Sichtweiten lokal sogar unter 100 Meter sinken.

Erst wenn die Sonne im Tagesverlauf am Himmel höher steigt und die Luft wieder erwärmt, löst sich der Nebel wieder auf. Die dann wieder wärmere Luft kann eine größere Menge an Feuchte aufnehmen, sodass die kleinen Nebeltröpfchen verdunsten und der Luft wieder als Wasserdampf erhalten bleiben.

Auch in den nächsten beiden Nächten muss vor allem im Osten und Süden erneut mit Nebelbildung gerechnet werden. Gebietsweise sind dabei auch wieder Sichtweiten unter 150 Meter zu erwarten. Entsprechend sollte in den betroffenen Regionen die Fahrgeschwindigkeit den Verhältnissen angepasst werden.



© Deutscher Wetterdienst