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29. März 2021 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Ein turbulentes Wochenende

Ein turbulentes Wochenende

Datum 29.03.2021

Das vergangene Wochenende fiel vor allem in der Nordhälfte Deutschlands recht stürmisch aus. Teilweise ging es sehr turbulent zu: Im Norden Dortmunds sowie in thüringischen Schmalkalden gab es sogar Tornadoverdachtsfälle.

Nachdem das Wetter am vergangenen Freitag, dem 26.03.2021, bei sonnigen Tageshöchstwerten von bis zu 19 Grad (Spitzenreiter war die Station Neunkirchen - Bad Mergentheim in Baden-Württemberg mit 18,7 Grad) frühlingshaft warm anmutete, folge ein Wochenende mit Turbulenzen.

Bereits in der Nacht zum Samstag fegte die Kaltfront des Nordmeertiefs "Quasimodo" von West nach Ost über Deutschland hinweg. In der ihr folgenden Kaltluft entwickelten sich am Samstag tagsüber diverse Schauerlinien und auch einige Gewitter konnten sich ausbilden. Darüber hinaus legte der Wind merklich zu. Recht verbreitet wurden starke bis stürmische Böen gemessen (zwischen 50 und 75 km/h), stellenweise traten Sturmböen bis 85 km/h auf. Bei einzelnen kräftigen Entwicklungen konnten selbst schwere Sturmböen von bis zu 100 km/h beobachtet werden, zum Beispiel gegen 13 Uhr an der Station in Querfurt an der Mühle Lodersleben im Süden Sachsen-Anhalts. Die Wetterstation auf dem Brocken, dem höchsten Berg Norddeutschlands, toppte die Windgeschwindigkeiten aufgrund ihrer exponierten Lage: Dort wurden orkanartige Böen von 116 km/h gemessen.

Der den Wind begleitende Niederschlag kam nicht überall in flüssiger Form vom Himmel. Besonders in den Hochlagen der Mittelgebirge akkumulierten sich wenige Zentimeter Neuschnee. Aber auch in tiefen Lagen fiel der Niederschlag teils in fester Form, nämlich als Graupel. Da dies häufig sehr plötzlich vonstattengeht, wird immer wieder auch der eine oder die andere Verkehrsteilnehmer*in überrascht. So kam es auch am vergangenen Samstag zu einigen glättebedingten Unfällen.

Darüber hinaus gab es kurz nach 11:00 Uhr MEZ einen Tornadoverdachtsfall im Norden Dortmunds. Anwohner aus der Region schilderten ein Schadensbild, das auf einen Tornado schließen lässt. Über eine Strecke von mehreren Hundert Meter wurden Dächer beschädigt und teilweise abgedeckt, Gegenstände flogen durch die Luft, Äste wurden reihenweise von den Bäumen gerissen. Außerdem wurde in einem Industriegebiet ein Lkw auf die Seite geworfen. Auch ein erster Blick auf die Radarbilder, die sich den sogenannten "Dopplereffekt" zunutze machen, um Windgeschwindigkeiten relativ zum Radarstandort aufzuzeigen, deuten auf eine rotierende Gewitterzelle hin. Ein weiterer Verdachtsfall ereignete sich im thüringischen Schmalkalden gegen 15 Uhr MEZ. Auch dort legen die Schadensbilder einen Tornado nahe.

Allerdings müssten weitere Untersuchungen folgen, um mit abschließender Sicherheit von einem Tornado sprechen zu können. Dies würde eine genauere Untersuchung der Schäden vor Ort beinhalten. Denn Tornadoschäden sind recht spezifisch und unterscheiden sich von Schäden, die beispielsweise aufgrund von Fallböden in Gewittern entstehen können. Tornados verursachen in der Regel eine Schneise der Verwüstung, die auch teilweise unterbrochen sein kann. Typisch ist darüber hinaus die unterschiedliche Fallrichtung von Bäumen oder die sehr weite Verfrachtung von Gegenständen.

Im Süden Deutschlands ging es am Samstag hingegen etwas entspannter zu. Zwar wurden die "Südländer" nicht ganz vom Wind verschont, auch dort traten gebietsweise Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h auf. Die der Kaltfront folgenden Schauer und Gewitter schafften es jedoch nicht bis zum Alpenrand.

In der Nacht zum Sonntag beruhigte sich das Wettergeschehen dann weitgehend, zumindest vorübergehend. Am gestrigen Sonntag lebte der Wind im Tagesverlauf erneut auf. Dabei beschränkte sich das windige Wetter jedoch meist auf die Nordwesthälfte. In Schauernähe sowie im Nordseeküstenumfeld wehte der Wind auch zeitweise stürmisch mit bis zu 73 km/h, die beispielsweise auf der Hallig Hooge im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gemessen wurden. Die Station Glücksburg-Meierwik bei Flensburg verzeichnete sogar knappe 80 km/h. Spitzenreiter war, wie konnte es auch anders sein, erneut der exponierte Brocken mit 90 km/h (16 Uhr MESZ).

Heute spielt der Wind - mit Ausnahme auf dem Brocken im Harz sowie im Norden im Küstenumfeld - keine Rolle mehr. In den kommenden Tagen liegt der Fokus wohl eher auf dem ruhigen, fast schon frühsommerlich anmutenden Wetter mit viel Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 25 Grad!



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