Facebook Twitter
Drucken
19. April 2021 | Dipl.-Met. Julia Fruntke

Mei-yu Front - Die Niederschläge verändern sich

Mei-yu Front - Die Niederschläge verändern sich

Datum 19.04.2021

In Ostasien ist von Mai bis in den Hochsommer hinein Regenzeit. Der Auslöser für länger anhaltende kräftige Regenfälle ist die sogenannte "Mei-yu Front". Forscher stellten nun fest, dass sich die Niederschläge verändern.

In Ostasien ist bald wieder Regenzeit. Der Ostasiatische Sommermonsun beginnt in der Regel Anfang Mai und kommt im Hochsommer Ende Juli zum Erliegen. Geprägt wird er von der sogenannten "Mei-yu Front" oder auch "Baiu-Front".

Eine Regenzeit, eine Front, aber zwei Namen? Wie kommt's?

Die Mei-yu Front ist eine fast stationäre Luftmassengrenze, die sich meist von der Küste Ostchinas über Taiwan bis nach Japan erstreckt. In China spricht man von der "Mei-yu Front", in Japan wird sie "Baiu-Front" genannt. Gemeint ist aber ein und dasselbe System.

Wie bildet sich die Mei-yu Front aus?

Die Entstehung der Mei-yu Front ist relativ komplex und auch noch nicht in Gänze verstanden. Die einfachste Beschreibung ist jene: Das Hochland von Tibet wird im Norden von kontinentalen, trockenen Westwinden überquert, während im Osten warme, feuchte Luft aus dem Südchinesischen Meer nordwärts strömt. Dort, wo die beiden Luftmassen aufeinanderprallen, bildet sich eine Luftmassengrenze aus. Erstaunlich ist, dass es an der Mei-yu Front üblicherweise so gut wie keinen Temperaturunterschied gibt, wie es für ausgeprägte Luftmassengrenzen in unseren Breiten typisch ist. Vielmehr ist die Mei-yu Front durch einen veritablen Feuchtegradienten definiert. An der Front kommt es häufig zu kräftigen konvektiven Niederschlägen. Werden zudem mit einer starken Südwestströmung vermehrt tropische Luftmassen nach Norden geführt, können sich insbesondere im Frühjahr und Sommer im Bereich der Mei-yu-Front großräumige Gebiete mit schauerartig verstärkten, von Gewittern durchsetzten Niederschlägen ausbilden (sog. "mesoskalig konvektive Systeme"). Diese bringen nicht selten katastrophale Überschwemmungen mit sich.

Lebensgrundlage für Milliarden Menschen

Ungeachtet der heftigen Regenfälle ist die Regenzeit in Ostasien dennoch ein wichtiger Teil des globalen Klimasystems und spielt für das asiatische Klima eine entscheidende Rolle. Denn der Monsun dient als größte Wasserquelle in dieser Region und bildet die Lebensgrundlage von über einer Milliarde Menschen. Aber die Niederschläge verändern sich, in ihrer Intensität sowie Quantität. Forscher untersuchten täglich gefallene Niederschläge von 1958 und 2009 an über 750 Wetterstationen in China und fanden heraus, dass sich die mit der Mei-yu Front einhergehenden Niederschläge sowie auftretenden Hochwasserereignisse in den späten 1990er Jahren nach Norden verschoben haben. Während zuvor vornehmlich die Regionen südlich des Jangtsekiang betroffen waren, regnet es seit der Jahrtausendwende nun mehr im Bereich des Einzugsgebiets des Huai Flusses, etwa 200 bis 300 Kilometer weiter im Norden Chinas. Zudem sind langanhaltende mäßige Niederschläge signifikant seltener geworden, wohingegen 2- bis 4-tägige Regenereignisse zugenommen haben. Auch zeigen die Studien, dass sich die Häufigkeit extremer Niederschlagsereignisse erhöht hat. Ebenso haben sich Hochwasserereignisse im Vergleich zum klimatologischen Mittel nahezu verdoppelt. Die exakte Vorhersage der Niederschlagsextreme wird mit zunehmender Variabilität der Niederschläge immer schwieriger, obwohl dies dringend notwendig und entscheidend für die Katastrophenvorsorge in den betroffenen Regionen ist.

Die Forscher gehen davon aus, dass hierbei der Klimawandel mit der einhergehenden Erderwärmung eine gewaltige Rolle spielt. Vieles ist diesbezüglich aber noch unklar. So ist die Mei-yu Front immer noch Gegenstand der Forschung vor allem unter Berücksichtigung des Einflusses der Regenfälle des Sommermonsuns auf Milliarden Menschen, die davon abhängig bzw. aufgrund der zunehmenden Hochwassergefahr gefährdet sind.

Zur Veranschaulichung ist dem Thema des Tages eine Grafik beigefügt (siehe https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/4/19.html). Diese zeigt die aus Satellitendaten abgeleiteten Niederschlagsmengen über Ostasien im Juni und Juli 2020. Laut chinesischem Wetterdienst begann die Mei-yu Saison vergangenes Jahr früher als üblich am 29. Mai 2020 und endete später als normal am 2. August 2020. Dies führte zu den höchsten Niederschlagsmengen der letzten 60 Jahre während einer Mei-yu Regenzeit.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

20.06. - Der große Knall

19.06. - Schwergewitter am Wochenende - Was war? Was kommt?

18.06. - Wie geht es mit der Hitzewelle weiter?

16.06. - Leuchtende Nachtwolken: seltenes Himmelsphänomen aktuell wieder zu beobachten

14.06. - Erste Hitzewelle "ante portas"

12.06. - Sommeranfang - auch bei den Temperaturen?

11.06. - Der erste Sommermonat: Juni

10.06. - Die ringförmige Sonnenfinsternis - hierzulande partiell

09.06. - Gewitter ohne Ende - Gewitter am Ende?

07.06. - UN-Welttag der Meere

05.06. - Der sumpfige PETER lässt es i weiter knallen

04.06. - Starkes, schweres oder extremes Gewitter - Was steckt hinter den Formulierungen?

03.06. - Deutschlandwetter im Frühling 2021

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2021

01.06. - Meteorologischer Sommerbeginn, doch wie sommerlich war es bisher?

31.05. - WALTRAUD - die starke Herrscherin

28.05. - A, B oder C? - Auf welche optische Erscheinung tippen Sie?

27.05. - Der Ätna in Ausbruchsstimmung

26.05. - Es reicht doch mal!?

25.05. - Aerosole - Aero... was? - Teil 2

23.05. - Weiter! Immer weiter?

22.05. - Die etwas andere Temperaturskala

21.05. - Der Mond und das Wetter auf der Erde

20.05. - An diesem Wochenende ein Lichtblick?

19.05. - Aerosole - Aero... was? - Teil 1

17.05. - Kleine Synoptikkunde (10) - Alles über Advektion

16.05. - Zonale Bedingungen auf dem Atlantik

15.05. - Drohende Naturkatastrophe am Arabischen Meer

13.05. - Die Eisheiligen 2021: Kein Vergleich zum letzten Jahr!

12.05. - Kommt im Mai noch der Frühsommer?