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21. April 2021 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

"April, April, der macht, was er will"

"April, April, der macht, was er will"

Datum 21.04.2021

Bisher verlief der April sehr wechselhaft. Immer wieder wurden milde Luftmassen, die für ein frühsommerliches Gefühl sorgten, von Kaltluftvorstößen verdrängt. Setzt sich in dieser Woche nun endlich warmes Frühlingswetter durch?

Dass das Aprilwetter sehr launisch sein kann, durften wir diesen Monat bereits mehrfach erfahren. Ganz nach dem Motto "April, April, der macht, was er will" sorgte der Monat vielerorts für rasche Wetterwechsel. Nach einem frühsommerlichen Start mit Temperaturen über 20 Grad und viel Sonnenschein gab es in der Folge wiederholt Kaltlufteinbrüche, sodass der Monat aktuell hinter seinen klimatologischen "Temperaturerwartungen" zurückbleibt. Die Kaltlufteinbrüche wurden dabei häufig von einem "April-typischem" Wettermix aus Regen, Schneeregen, Schnee, Graupel sowie kurzen Gewittern begleitet. In den Nächten sorgten dann frostige Tiefsttemperaturen fast schon wieder für "Winterfeeling".

Warum sollte es also in dieser Woche anders kommen?

Zum Start in die Woche dominierten feuchte und milde Luftmassen das Wettergeschehen in Deutschland. Tiefer Luftdruck in der Höhe sowie die bereits kräftige Aprilsonne sorgten für entsprechende Hebungsantriebe und es bildeten sich wiederholt Schauer und auch einzelne Gewitter. Die Temperaturen konnten dort, wo sich die Sonne etwas länger durchsetzte, auf deutlich zweistellige Werte klettern. Im Emsland knackte die Station Groß Berßen (Niedersachsen) am gestrigen Dienstag (20.04.2021) mit 19,3 Grad fast sogar die 20-Grad-Marke.

Tief "Zohan" spielt heute aber den Spielverderber. Das Tief liegt aktuell mit seinem Kern über Südschweden und schickt eine Kaltfront nach Deutschland. Diese trifft heute Mittag bereits auf die deutschen Küstenregionen und führt rückseitig wieder kältere Polarluft mit sich, die direkt aus den Polarregionen stammt. Das macht sich natürlich auch in den Tageshöchstwerten bemerkbar. Diese schaffen es im nördlichen Binnenland nur noch knapp über 10 Grad, unmittelbar an den Küsten ist es sogar noch kühler. Dazu sorgt ein teils stürmischer Wind für recht ungemütliches Wetter.

In der Mitte und im Süden Deutschlands ist davon heute noch nicht viel zu spüren. Dort steigen die Höchstwerte nochmal über 15 Grad an, am Oberrhein werden bis zu 20 Grad erreicht. Dazu bilden sich erneut einige Schauer und Gewitter, wie dies schon in den vergangenen Tagen in der milden und feuchten Luft der Fall war.

Aber auch die südlichen Regionen bleiben von der kälteren Luft nicht verschont. Die Kaltfront hat zwar mangels Hebungsantrieben aus höheren Luftschichten nicht viel Niederschlag "im Gepäck". Am morgigen Donnerstag stellt sich jedoch rückseitig der Kaltfront, die im Tagesverlauf die Alpen erreicht, eine nordwestliche Strömung ein. Zwischen Tief "Zohan", welches dann in die Ostsee weitergezogen ist und Hoch "Renate", das bei den Britischen Inseln liegt, wird weiterhin Luft polaren Ursprungs nach Deutschland geführt. Im Stau der Alpen fällt tagsüber noch teils schauerartiger Regen, dabei können auch einzelne Gewitter auftreten. Vornehmlich im Nordosten kommen örtliche Schauer und einzelne Gewitter auf und auch der Wind frischt stark bis stürmisch auf. Dabei können auch Graupelkörnern auftreten und im höheren Erzgebirge ist ein wenig Schnee möglich. Dabei liegen die Tageshöchstwerte meist nur noch bei 10 bis 13 Grad. Der Westen und Südwesten sind dagegen weitgehend außen vor, zumindest was die Niederschläge betrifft. Bei längerem Sonnenschein können dort die Temperaturen sogar auf 14 bis 16 Grad ansteigen. An den Küsten werden keine 10 Grad erreicht. In der Nacht zum Freitag muss dann in der Mitte und im Süden wieder recht verbreitet mit leichtem Frost gerechnet werden.

Am Freitag gelangt Deutschland unter zunehmenden Einfluss von Hoch "Renate", sodass sich das Wettergeschehen beruhigt. Allerdings ergibt sich beim Wetter in der Folge eine Zweiteilung. Der Süden und Südwesten dürften als Profiteure des Ganzen hervorgehen. Bei wenigen Wolken kann die Aprilsonne dort wieder vermehrt "einheizen", sodass die Temperaturen auf Werte von 15 bis 18 Grad ansteigen können. Der große Rest des Landes verbleibt im Zustrom der maritimen Polarluft und unter den sich von der Nordsee landeinwärts ausbreitenden, dichteren Wolkenfelder. Die Temperaturen schaffen es dabei nicht über 10 bis 14 Grad hinaus. An den Küsten ist es mitunter weiterhin windig. Durch die auflandige Windkomponente bleibt es bei 7 bis 10 Grad ungemütlich kühl. Immerhin kann sich zumindest an der Ostsee die Sonne auch mal etwas häufiger durchsetzen.

Am Wochenende bleiben diese "Ungerechtigkeiten" bestehen. Von der Nordsee bis zum Erzgebirge ist es am Samstag meist wolkig und die maritime Kaltluft dämpft weiterhin die Tageshöchsttemperaturen. Von Süden und Südwesten macht die Warmluft aber etwas Boden in Richtung Mitte gut und die Aprilsonne kann die Luft noch weiter erwärmen. Im äußersten Südwesten werden sogar bereits wieder bis zu 20 Grad erreicht. Am Sonntag sollte sich die Sonne dann auch in den bisher "benachteiligten" Regionen häufiger zeigen, wenngleich die Tageshöchstwerte dort noch etwas länger brauchen, um "in die Gänge zu kommen".



© Deutscher Wetterdienst

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