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06. September 2021 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Goldener September

Goldener September

Datum 06.09.2021

Was die Sommermonate Juli und August nicht so recht geschafft haben, leistet nun der erste Herbstmonat: Stabiles Sommerwetter.

Klar ist es für die Nebel- und Hochnebel geplagten Menschen in Teilen des Nordens und der Mitte ein Hohn. Mit Blick auf das ganze Land sind diese Regionen aber nur ein Schönheitsfehler in einem ansonsten ziemlich sommerlichen Septemberauftakt. Regen hat es abgesehen von einzelnen Berglandgewittern noch keinen gegeben. Stattdessen wurde in einigen Regionen bereits nach fünf Tagen das erste Drittel beim Sonnenscheinsoll erreicht. Bei Spitzenwerten bis 29 Grad zeigt sich der Monatsauftakt in einigen Regionen schon fast hochsommerlich. Im Südwesten des Landes wurden zum Teil schon drei bis vier Sommertage erreicht (Maxima 25 Grad und mehr).

Stellt sich die Frage, was ist im ersten Herbstmonat eigentlich üblicherweise zu erwarten?

Den wärmsten Septembermonat seit Aufzeichnungsbeginn gab es 2006, der eine Durchschnittstemperatur von 16.9 Grad erreichte und damit in jenem Jahr sogar etwa 1.5 K wärmer war, als der Vormonat August. In etwa gleich auf war auch der September 2016. Das Jahr mit den meisten Hitzetagen im ersten Herbstmonat war vielerorts das Jahr 1947. Im Südwesten des Landes, wie beispielsweise in Karlsruhe, Freiburg oder Heidelberg wurde an insgesamt 10 Tagen die 30 Grad Marke überschritten. Ein Sommertag (über 25 Grad) gab es in der Spitze an über 20 Tagen. Dass es im September auch ganz anders ausschauen kann, beweist das Jahr 1912 als die monatliche Durchschnittstemperatur bei nur 9.1 Grad lag. In der jüngeren Vergangenheit fällt das Jahr 1996 mit einer kalten Mitteltemperatur von 10.9 Grad auf. Neben den ersten Nachtfrösten sind vor allem zum Ende des Monats erste Schneefälle auch bis in mittlere Lagen nicht ausgeschlossen, wie beispielhaft das Jahr 2002 zeigt.

Bei der Sonnenscheindauer (Messungen verfügbar ab 1951) gibt es ein anderes Jahr, welches eindeutig in den Fokus rückt. Der September 1959 liegt mit Abstand auf dem ersten Platz, wobei im Südwesten vereinzelt sogar die Marke von 300 Sonnenstunden geknackt wurde. Damit wurde zum Teil die doppelte Sonnenscheindauer erreicht, die in einem Septembermonat üblich ist. Ganz anders verlief der Herbststart im Jahr 2001. Oftmals wurde nicht einmal die Hälfte der zu erwartenden Sonnenmenge erreicht. In Frankfurt am Main gab es mit 48 Sonnenstunden weniger als ein Drittel der Monatsmenge.

Bleibt noch der Niederschlag. Nicht überraschend ist es wieder das Jahr 1959, dass den bisher geringsten Monatsniederschlag brachte. In einigen Regionen fiel überhaupt kein Regen, wie beispielsweise in Weißenfels in Sachsen-Anhalt oder in Homburg an der Saar. Im Deutschlandmittel gab es nur knapp 9 % der üblichen Monatsmenge oder knapp 6 Liter auf den Quadratmeter. Auf der anderen Seite der Skala ist der graueste Septembermonat auch der nasseste gewesen: 2001. Mit im Schnitt 137 Litern pro Quadratmeter wurde deutschlandweit mehr als die doppelte Monatssumme erreicht. Rund um den Harz sowie in Teilen von Niedersachsen wurde sogar viermal so viel Niederschlag gemessen als für den September üblich.

Die Spannbreite im ersten Herbstmonat des Jahres ist also eine ziemlich große und das nicht nur bei der Temperatur. Wie sich der September 2021 in der Gesamtbilanz schlagen wird, kann man noch nicht absehen. Klar ist aber, dass er bisher sehr sonnig, trocken und teils sommerlich warm verläuft. Dies bleibt bis auf kleinere Ausnahmen auch bis zum Donnerstag noch so, wobei die Spitzenwerte nur knapp unter der 30 Grad Marke liegen. Zum Wochenende nimmt schließlich der Tiefdruckeinfluss von Westen her zu. Aufkommende Schauer und Gewitter erinnern aber bei weiter warmen Temperaturen eher an Sommer, denn an Winter. Wie es dann in der kommenden Woche weiter geht ist noch nicht sicher, die Bandbreite der Modelllösungen noch groß. Es gibt aber gewisse Chancen, dass sich wieder verstärkt Hochdruckeinfluss durchsetzen und damit vielleicht der goldene September fortsetzen kann.



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