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07. September 2021 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Der Nebel macht den Unterschied

Der Nebel macht den Unterschied

Datum 07.09.2021

Vielerorts scheint derzeit ganztägig die Sonne. Allerdings besitzt das Hochdruckwetter durchaus "Schönheitsfehler", denn Herbstzeit ist auch wieder "Nebelzeit".

Beim aktuell vorherrschenden sonnigen Spätsommerwetter möchte man gar nicht an das nahende Herbstwetter denken. Auch der Autor der heutigen Ausgabe des "Thema des Tages" freut sich über die etwas stabilere Hochdruckphase ohne größere Niederschläge und längere sonnige Abschnitte bei sommerlichen Temperaturen. Allerdings besitzt die Hochdruckwetterlage auch kleinere "Schönheitsfehler". Denn nicht jede Region in Deutschland kommt voll und ganz in den Genuss dieses Spätsommers.

Mit dem Rückgang der Tageslänge steigt in den Morgenstunden auch wieder die Gefahr örtlicher Nebelfelder. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und somit dauert die nächtliche Auskühlung länger an. Gerade bei schwachen Windverhältnissen während herbstlicher Hochdrucklagen und einem meist nur gering bewölkten oder klaren Himmel kann sich die Luft im Laufe der Nacht bis zur sogenannten Taupunkttemperatur abkühlen. Bei dieser Temperatur handelt es sich jedoch keineswegs um die Temperatur, ab der Eis taut, sondern vielmehr um jene Temperatur, ab der sich Tau beispielsweise auf Wiesen niederschlägt (siehe http://www.dwd.de/lexikon). Bei Erreichen der Taupunkttemperatur ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt, der dann zu kondensieren beginnt. Es bilden sich winzige Nebeltröpfchen. Diese Art des Nebels bezeichnet man auch als "Strahlungsnebel".

Wird dabei die horizontale Sichtweite in Augenhöhe nicht allzu sehr beeinträchtigt (Sichten von 1 bis 8 Kilometer), spricht man in meteorologischen Fachkreisen von "Dunst". Beträgt die Sicht jedoch weniger als einen Kilometer, herrscht definitionsgemäß "Nebel". Unterschreitet die Sichtweite überregional die Schwelle von 150 Metern, wird laut den Warnkriterien des Deutschen Wetterdienstes eine Nebelwarnung fällig.

Dabei kann die Andauer dieser amtlichen Warnung im Herbst durchaus variieren. Während sich der Nebel im aktuellen Septembermonat im Laufe des Tages aufgrund des noch höheren Sonnenstandes meist vollständig auflöst, kann er ab Oktober in windgeschützten Niederungen bereits den ganzen Tag anhalten und die Sonne - wenn überhaupt - lediglich als blasse, trübe Scheibe am Himmel erscheinen lassen. Besonders nebelanfällig sind beispielsweise das Donautal und der Bodensee. Dort sorgt die Nähe zum Wasser für zusätzliche Feuchtigkeit in der Umgebungsluft.

Auch in diesen Tagen kann man die Nebelfelder beim Blick auf das Satellitenbild recht einfach ausmachen. Während höhere Wolkenfelder über Deutschland hinwegziehen (beispielsweise im Westen), bleiben die Nebelschwaden über mehrere Stunden hinweg ortsfest und variieren lediglich in ihrer Ausdehnung. In den Nächten auf vergangenen Sonntag (05.09.) und Montag (06.09.) bildete sich unter anderem im Thüringer Becken dichter Nebel, teils mit Sichtweiten unter 150 m. Dieser hielt sich dort durchaus auch bis in die Nachmittagsstunden, bis es die Sonne endlich schaffte, den Nebel "wegzuheizen" (Luft wird erwärmt und die relative Luftfeuchte sinkt ab). Im Anschluss schien auch im Thüringer Becken die Sonne an einem nahezu blauen Himmel. Lediglich über dem Bergland bildeten sich einige Quellwolken (siehe Animation unter https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/9/7.html).

Dennoch konnte man den Einfluss des Nebels noch bis in die Abendstunden verfolgen. Denn während sich nebelfreie Regionen bereits am Sonntagvormittag aufheizen konnten, dauerte es in den neblig-trüben Regionen bis zum Nachmittag, bis sich die Sonne endlich durchsetzte. Dies wiederum konnte man noch am Abend beim Ablesen der Tageshöchstwerte feststellen. Während im Thüringer Becken nur Höchstwerte nahe 20 Grad zustande kamen, im Süden Sachsen-Anhalts in Naumburg an der Saale sogar nur 16 Grad, wurden auf der gegenüberliegenden Seite des Thüringer Waldes im Werratal in Veilsdorf sommerliche 25 Grad registriert.

Der Nebel macht also derzeit den Unterschied - zumindest wenn es darum geht, ob die Region einen Sommertag (Tageshöchstwerte ab 25 Grad Celsius) erreicht oder eben nicht. Auch in den kommenden Nächten muss weiterhin stellenweise mit dichten Nebelfeldern gerechnet werden. Zum Wochenende nimmt die Nebelneigung aber ab. Das Hauptaugenmerk wird dann wohl zunehmend auf den drohenden Gewittern liegen.



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