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22. Dezember 2021 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Weihnachtswetter 2021

Weihnachtswetter 2021

Datum 22.12.2021

Beim Blick in die aktuelle Weihnachtswetterprognose kommt Spannung auf. Nicht nur sind sich die Modelle noch nicht richtig einig, es gibt darüber hinaus auch Chancen auf weiße Weihnachten. Was uns genau erwartet, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.

Jedes Jahr aufs Neue fragt man uns Meteorologen bereits Wochen vor Weihnachten, wie die Chancen auf Schnee zu Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen stehen. Dies blieb auch in diesem Jahr nicht aus. Doch wer die Wetterprognose in den vergangenen Tagen verfolgt oder auch das Thema des Tages vom vergangenen Freitag, dem 17.12.2021, gelesen hat (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/12/17.html), der konnte erfahren, dass die diesjährigen Weihnachtswetterprognosen alles andere als einfach waren. Zwar zeigte man verschiedene Szenarien auf, wie das Wetter an Weihnachten aussehen könnte, sicher war jedoch nur: Der detaillierte Wetterablauf ist noch unsicher!

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob unter den verschiedenen Wettermodellen mittlerweile etwas mehr Einigkeit herrscht. Und gibt es zumindest in einigen Regionen Deutschlands zu Weihnachten etwas Schnee? Fakt ist, dass es auch am heutigen Mittwoch (22.12.) noch einige Unsicherheiten in den Vorhersagen für das Weihnachtsfest gibt.

Doch wir werfen trotzdem einen Blick auf das aktuelle Wetter und die Prognose für die kommenden Tage: Bereits heute werden im äußersten Nordosten schon einige Schneeflocken aus den Wolken gedrückt. Ansonsten sorgt das derzeit noch vom Schwarzen Meer bis Mitteleuropa dominierende Hoch "Anni" in weiten Teilen des Landes für niederschlagsfreies Wetter.

Dies ändert sich jedoch, wenn im Laufe des morgigen Donnerstags (23.12.) und in der Nacht zum Freitag die Warmfront von "Per", einem Tief über dem Nordostatlantik, mildere Meeresluft vom Atlantik über Deutschland hinweg schickt. Entsprechend gibt es ausgehend vom Nordwesten und der nördlichen Mitte gebietsweise Niederschläge, die sich allmählich ostwärts ausbreiten. Nach Westen und Südwesten zu fällt dagegen kaum etwas. Vor allem im Nordosten scheint sich die Warmluft jedoch nicht durchsetzen zu können. Entsprechend gehen die Niederschläge dort in Schnee über, mit etwas Glück akkumulieren sich diese dort auf einige Zentimeter. Mit Annäherung der Warmfront frischt auch der Wind auf, dennoch besteht im Übergangsbereich von Regen zu Schnee gerade in windgeschützten Mulden- und Tallagen, wo die Kaltluft nicht ganz so schnell ausgeräumt wird, gebietsweise die Gefahr von Glatteis. Derzeit sehen die Modelle diesen Streifen etwa von der Deutschen Bucht bis zum Erzgebirge sowie im Südosten Deutschlands.

Was nun die Prognosen für Heiligabend angeht, haben sich die Modelle im Laufe der letzten Tage etwas angenähert, zumindest der grobe "Fahrplan" scheint klar. Die über den Nordosten abziehende Warmfront geht allmählich in eine Kaltfront über, die wiederum rückseitig mit einer nördlichen Strömung von Skandinavien arktische Kaltluft in den Norden Deutschlands führt. Da der Zustrom sehr milder Atlantikluft von Südwesten her jedoch weiterhin aufrechterhalten wird, verstärken sich die Luftmassenunterschiede über dem Norden Deutschlands und somit auch die Niederschläge entlang der Kaltfront. Insbesondere von den Früh- bis in die Mittagsstunden können sich die Schneemengen von Vorpommern bis in den Norden Brandenburgs weiter akkumulieren. Aus den wenigen Zentimetern können dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt strichweise auch 10 bis 15 cm Neuschnee werden. Weiße Weihnachten dürfte in diesen Regionen also gesichert sein! Im südlichen Bereich des Niederschlagsgebiets fällt hingegen meist nur Regen, im Übergangsbereich kann vorübergehend auch Glatteis nicht ausgeschlossen werden. Im Tagesverlauf breiten sich die Niederschläge dann weiter südwärts aus, wobei diese immer mehr in Regen übergehen. Der Schneefall im Norden und Nordosten lässt hingegen nach.

In der Mitte und im Süden fällt das Weihnachtsfest jedoch eher grün-grau aus, dort steht zumindest zeitweise etwas Regen auf dem Programm. Darüber hinaus kommt dort bei Höchstwerten von bis zu 10 Grad Celsius am Freitag und Samstag wohl kaum "Weiße-Weihnachts-Stimmung" auf. Bei einer Schneefallgrenze von 1400 bis 1800 m muss man schon auf die höheren Alpengipfel, um in den Genuss von Schneefall zu Weihnachten zu kommen.

Im Laufe des Samstags kommt die Luftmassengrenze dann allmählich weiter nach Süden voran. Im Bereich der nördlichen Mitte schneit es - zumindest nach der Lesart einiger Modelle - vorübergehend auch mal stärker. Im Übergangsbereich zum Regen in mittleren und südlichen Landesteilen kann aber auch kurzzeitig gefrierender Regen nicht ausgeschlossen werden. Im äußersten Norden bleibt es hingegen meist niederschlagsfrei. Dort wird die Schneedecke bei Temperaturen im leichten Dauerfrostbereich aber konserviert. Nachts kann es in diesen Regionen über dem Schnee sogar bei strengem Frost unter -10 Grad klirrend kalt werden. Am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag schwächen sich die Niederschläge zunehmend ab. Nur über den mittleren Landesteilen fallen noch wenige Tropfen oder Flocken.

Am Sonntag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, sind aus aktueller Sicht noch größere Unsicherheiten in den Modellen vorhanden. Prinzipiell besteht weiterhin ein Temperaturgefälle vom Nordosten bei Dauerfrost nach Südwesten bei bis zu +9 Grad am Oberrhein. Die Niederschläge können sich zudem von Südwesten her wieder verstärken und nordostwärts auf mittlere, im Nachmittagsverlauf womöglich auch auf nördliche Landesteile übergreifen, wo dann erneut die Gefahr für gefrierenden Regen und Schneefall besteht.

Ob sich bei Ihnen nun ein "grau-grünes" und verregnetes Weihnachten oder Schneechaos inklusive Schneeballschlacht einstellt, wir Meteorologen der Vorhersage- und Beratungszentale wünschen Ihnen bereits heute schon frohe Weihnachtsfeiertage! Und schauen Sie doch mal auf dwd.de oder in der WarnWetter-App vorbei. Denn auch über die Feiertage sind wir natürlich mit Vorhersagen und Wetterwarnungen für Sie im Dienst.



© Deutscher Wetterdienst

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