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28. Dezember 2021 | Dipl.-Met. Robert Hausen

Milderung setzt sich durch: Gibt es neue Rekorde?

Milderung setzt sich durch: Gibt es neue Rekorde?

Datum 28.12.2021

Die Kaltluft im Nordosten kämpft beharrlich, hat aber letztlich gegen die Milderung vom Atlantik keine Chance. Purzeln nun bei 15 Grad und mehr im Westen und Südwesten gar Rekorde?

In den vergangenen Tagen wurde ja bereits ausführlich auf die bevorstehende und inzwischen bis zur Elbe vorangekommenen Milderung über Deutschland im Thema des Tages eingegangen. Bewohner vom Rheinland bis zum Breisgau werden sich fragen: Welche Milderung? Dort war es ohnehin nicht kalt. Angesichts der zu erwartenden Höchstwerte von 14 bis örtlich vielleicht sogar 17 Grad am kommenden Donnerstag wird einen nach subjektivem Empfinden schon ein vorfrühlingshaftes Gefühl beschleichen. Das war in der Form bis dato dann doch noch nicht gegeben.

Die Tiefdruckgebiete PER, RONALD und SEBASTIAN geben/gaben sich dabei alle Mühe mit einer südwestlichen Strömung milde Atlantikluft aus dem Bereich der Azoren rasch und auf direktem Wege nach Mitteleuropa zu transportieren. Die Wassertemperaturen zwischen Biskaya und Azoren liegen derweil zwischen 12 Grad im Raum Bordeaux und bei rund 18 Grad rund um die Azoren. So verwundert es also nicht, dass dies in etwa auch der Größenordnung der zu erwartenden Temperaturen hierzulande entspricht. Muss es denn nun gleich wieder so mild sein? Fallen womöglich gar neue Dezemberrekorde? Mitnichten. Zu den 24 Grad in Müllheim, 21 Grad in Freiburg (beide Baden-Württemberg) sowie 20,3 Grad in München vom 16.12.1989 wird doch noch ein gutes Stück fehlen. Dafür braucht es dann doch eine ausgewachsene Föhnlage mit strammer südlicher Anströmung. In Teilen NRWs, wo die Bestmarken bisher mit 18,0 Grad in Bonn, 17,9 Grad in Bochum und 17,6 Grad in Aachen vom 04.12.1953 stammen, könnte es allerdings mancherorts knapp werden.

Ganz nebenbei bemerkt wird anhand der aktuellen Druckkonstellation auch eine Schwäche der Nordatlantischen Oszillation (NAO) offenkundig. Der NAO Index bezieht sich auf die Druckdifferenz zwischen Subtropenhoch (Azorenhoch) und subpolarer Tiefdruckrinne (Islandtief). Deren Zusammenspiel ist ein Maß für die Lage und Intensität der atlantischen Westwindzone (siehe DWD-Lexikon). Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts stellten Meteorologen einen Zusammenhang zwischen eher mild und niederschlagsreich geprägten Wintern in Mitteleuropa und einem positiven NAO Index fest: Sobald die Gegensätze zwischen Islandtief und Azorenhoch besonders stark ausgeprägt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mit der resultierenden strammen westlichen Strömung milde Atlantikluft weit ins Landesinnere des Europäischen Kontinents transportiert wird.

Nun zu den Schwachpunkten: Der NAO Index ist trotz zweistelliger Höchstwerte über Westeuropa nicht stark positiv, sondern schwankt um 0. Über Island ist eher der Keil des Grönlandhochs wetterwirksam und das Azorenhoch ist ostwärts nach Marokko und Spanien verschoben. Tatsächlich ist der Bodendruck über Island und den Azoren nahezu identisch. Nun könnte man meinen: Naja, im Nordosten herrscht ja auch noch Dauerfrost. Stimmt. Das liegt aber am Hoch Belinda, das zwar schon sehr weit östlich mit Zentrum nördlich des Kaukasus angelangt ist, die Isobaren verlaufen über dem Nordosten Deutschlands aber noch von Südost nach Nordwest. Mit der daraus folgenden südöstlichen Strömung gelangt bodennah immer noch kalte Festlandsluft in den Nordosten, die erst hinter der Warmfront des Tiefs PER mit Drehung auf Süd bis Südwest allmählich ausgeräumt wird. Das sollte dann letztlich auch im östlichsten Zipfel Vorpommerns am morgigen Mittwoch der Fall sein. Bis dahin gilt gebietsweise noch Unwettergefahr durch gefrierenden Regen mit Glatteisbildung.



© Deutscher Wetterdienst

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