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16. Mai 2022 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Von Schwachstellen, Starkregen und schweißtreibenden Aussichten

Von Schwachstellen, Starkregen und schweißtreibenden Aussichten

Datum 16.05.2022

Die dritte Maiwoche startet turbulent, gönnt sich dann eine Verschnaufpause und wartet Ende der Woche mit schwülheißen Aussichten auf. Ein Überblick.

YANNES - ein ausladendes Hochdruckgebiet prangt derzeit auf der Wetterkarte über dem Nordmeer. Gute Voraussetzungen eigentlich für einen wettertechnisch ruhigen Start in die Woche. Eigentlich... Denn schaut man etwas genauer hin, offenbart sich an der Südwestflanke von YANNES eine Schwachstelle, und genau diese "Unperfektheit" ist quasi das Zünglein an der Waage, weshalb der heutige Montag eben doch etwas turbulenter wird. Denn in diese Schwachstelle "bohrt" sich eine Tiefdruckrinne, die beste Bedingungen für eine ganz passable Gewitterlage schafft.

In der Tiefdruckrinne bildet sich eine sogenannte Konvergenz aus, eine Linie, in der Luft aus zwei Richtungen aufeinandertrifft: Nördlich der Konvergenz fließt mit östlichen Winden relativ trockene Luft aus dem Hoch in den Nordosten Deutschlands. Süd-/südwestlich der Konvergenzlinie strömt hingegen aus westlicher Richtung zunehmend feuchte Subtropikluft ostwärts.

Der hohe Feuchtehalt bietet einen hervorragenden Nährboden für Starkregen-Gewitter. Allerdings zieht die oben erwähnte Tiefdruckrinne und damit auch die Gewitter Richtung Nordosten (zwar nicht super schnell, aber immerhin ist ein bisschen Bewegung in der Sache). Dadurch ist mit einer verbreiteten Schwergewitterlage nicht zu rechnen, wenngleich sicherlich einzelne Gewitterzellen unsere Unwetterschwelle (>25 l/qm in 1 h) reißen werden. Eine Region bleibt tagsüber noch verschont: In den äußersten Norden und Nordosten (etwa nordöstlich der Elbe) strömt am Rande des Hochs trockene Luft (s.o.), sodass dort bis zum Abend noch alles in trockenen Tüchern bleibt.

In der Nacht zum Dienstag wird es allerdings dann genau in dieser Region spannend, denn "der Gewitterei" wird der Schwung genommen, wodurch die Regengüsse nun nicht mehr weiterziehen, sondern mehr oder weniger an Ort und Stelle verharren. In einem Bereich von der Nordsee bis nach Sachsen werden bis Dienstagvormittag mit 20-30 l/qm, punktuell bis zu 50 l/qm die Regentonnen gefüllt (und hoffentlich weniger Straßen und Keller überflutet).

Am Dienstag macht ein neues Zwischenhoch allmählich den Wetterkapriolen den Garaus und nach Abklingen letzter Regenfälle aus der Nacht bleibt es bis auf wenige Schauer und Gewitter meist trocken. Bei 16 °C auf Rügen und 28 °C in Freiburg besteht ein großer Temperaturunterschied von Nordost nach Südwest.

Am Mittwoch setzt sich die warme Luft aus Südwesten langsam Richtung Nordosten durch: Bei landesweit viel Sonnenschein werden oft 25 bis 31 °C erreicht, nur an der See, in Vorpommern und Südostbayern ist es mit 19 bis 24 °C etwas weniger warm.

Donnerstag und Freitag wird die 30-Grad-Marke dann häufiger im Westen und Süden überschritten, wobei mit zunehmend feuchter Luft nicht nur die Schwüle und die Anzahl der Schweißperlen auf der Stirn zunehmen, sondern auch die Gewitter-/Unwettergefahr.



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